Befreiungsschlag, 2018. HD-Film auf Smartphone, gerahmt, 20 x 29 cm
Befreiungsschlag, 2018. HD-Film auf Smartphone, gerahmt, 20 x 29 cm

Befreiungsschlag

Das Posten von Klagen unter #MeToo ist sehr begrüßt worden. Was für ein Glück, dass Frauen endlich reden! Eigentlich aber ist es der klassische Opfersprech. Bei allen sich durch die Jahrhunderte ziehenden Bemühungen, Frauen den Mund zu verbieten, war die Klage immer erlaubt.
Denn, die alten Vorbehalte gegenüber einem Opfer, die Vorstellung, es sei mitschuldig, geht noch ein in den trendigen Resilienz-Begriff – ein starkes Kind sagt Nein! Eine selbstbewusste Frau weiß sich zu wehren!
Bleibt die Frage: Übertreibt die Frau? Spekuliert sie auf Gewinn? War sie zu feige für Gegenwehr? Lügt sie? –, all die Versatzstücke fügen sich zu jenem Bild einer moralisch defizitären Frau, das wir seit dem Mittelalter kennen.

In meiner Video-Arbeit befreit sich die Frau von ihrem Zopf um etwas Altbewährtes aufzugeben. Sie nimmt mit dem Flechtzopf ihr altes Leben in die Hand und geißelt sich für Attribute, die verhängnisvoll scheinen. Jeder Schlag verheißt eine glückliche Befreiung von der vermeintich weiblichen Opferrolle, festgehalten auf einem Smartphone.

 

Film

 

Artikel der Süddeutschen Zeitung


Hausmeisterschnitt

Silicon auf Hartfaser, gerahmt, 2018, 35 x 22 cm
Silicon auf Hartfaser, gerahmt, 2018, 35 x 22 cm
Silicon auf Papier, 2018, Giclée-Druck auf Hahnemühle, 40 x 60 cm
Silicon auf Papier, 2018, Giclée-Druck auf Hahnemühle, 40 x 60 cm
Silicon auf Hartfaser, gerahmt, 2017, 32 x 24 cm
Silicon auf Hartfaser, gerahmt, 2017, 32 x 24 cm

Ballungsraum

2017, Zeichnung mit schwarzem Silicon auf beschichteter Hartfaser, gerahmt. 60 x 65 cm
2017, Zeichnung mit schwarzem Silicon auf beschichteter Hartfaser, gerahmt. 60 x 65 cm
Ausstellungsansicht
Ausstellungsansicht

Fenster zur Seele, 2017
Fenster zur Seele, 2017
Fenster zur Seele, 2017, 50 x 300 cm
Fenster zur Seele, 2017, 50 x 300 cm

Ich in Schwarz. Ich in Rot. Ich in Gold.


Fotografie, 3-teilig, 2016, Inkjet auf Hahnemühle, je 55 x 70 cm
Text von Dr. Susanna Ott

Von der Erotik der Baumärkte

Silicon auf Zuschnitthölzer wie Spanplatte und MDF beschichtet in verschiedenen Größen. 2016/17


Jenseits ihrer Bestimmung

Jenseits ihrer Bestimmung, HD Film, 1:26 (Loop), 2015
Jenseits ihrer Bestimmung, HD Film, 1:26 (Loop), 2015

Der Film ist formal angelehnt an einen Derwischtanz, der zwar traditionell allein Männern vorbehalten ist, aber im drehenden Tanzen löst sich das Ich auf und so gibt es kein weibliches Hindernis mehr, der Allmacht zu begegnen. Ein pulsierender, minimalistischer Sound peitscht die Drehende an, gefangen im Schleier der Gardine, dem Ausdruck perfekter Häuslichkeit.
Der im Film mit Leichtigkeit wirbelnde Tellerrock, als Symbol für die Weiblichkeit, erstarrt im Objekt zur schwarzen Skulptur.

Jenseits ihrer Bestimmung, 2015, Objekt aus Stoff und Draht, 1 x 0,7 m
Jenseits ihrer Bestimmung, 2015, Objekt aus Stoff und Draht, 1 x 0,7 m

Morgen früh, wenn Gott will ... (Dschihad Girl)

Demo-Video: Rotierendes Objekt, 20 x 20 x 150 cm, 2015, verschiedene Materialien
Demo-Video: Rotierendes Objekt, 20 x 20 x 150 cm, 2015, verschiedene Materialien

Der „Islamische Staat“ braucht dringend junge Frauen. Er rekrutiert sie weltweit, auch in Deutschland. Oft sind es Teenager, welche die Heimat gegen die Wüste eintauschen. Dort leben sie im Kalifat als Ehefrauen eines vermeintlichen Märtyrers und bekommen einen Platz im verlockenden Jenseits prophezeit.
Die Mädchen erliegen der heimlichen Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer, gepaart mit romantischen Vorstellungen eines einfachen Lebens und einem verklärten Blick auf ein süßes Versprechen: das „Paradies“. 

Diese Arbeit im dunklen Raum zeigt eine "Dschihad-Barbie" unter einer wehenden Burka aus Bistrogardine, welche sich heimlich aus dem Elternhaus stiehlt. Zur gedämpften Spieluhrmusik (Brahms Wiegenlied) kreiselt die Figur um sich selbst.


Hüben und Drüben

Fotografie, je 50 x 50 cm  Lambda Pro auf Aludibond
Fotografie, je 50 x 50 cm Lambda Pro auf Aludibond
2015
2015

Die komponierte Zusammenstellung von Materialität, eine bodenlange Gardine vor einem Wall aus künstlichem Gras, davor eine Art Fußmatte die jedoch auf einen Kiesweg zurückschließen lässt. Eine Hecke als grüner Schutzraum für Gespräche über, oder mit dem Nachbarn, ein blonder Schopf – es ist jemand zuhause, jedoch nicht ansprechbar. Paul Watzlawick hat Heraklits Gedanken von der „Einheit in der Vielfalt“ der Dinge aufgegriffen und darauf hingewiesen, dass ein Zuviel des Guten stets ins Böse umschlage. Der Betrachter darf sich nun fragen, auf welcher Seite er sich befindet.


Außen vor

HD Film, 1:01 min (Loop), 2014
HD Film, 1:01 min (Loop), 2014
Video-Box, MDF schwarz, B 60 H 70 T 50
Video-Box, MDF schwarz, B 60 H 70 T 50

Bis hier hin

Anwesen I – V

Anwesen IV, Lambda pro auf Aludibond, 80 x 50 cm
Anwesen IV, Lambda pro auf Aludibond, 80 x 50 cm
Anwesen III, 2013, Lambda auf Aludibond, 40 x 28 cm
Anwesen III, 2013, Lambda auf Aludibond, 40 x 28 cm
Anwesen V, Lambda Pro auf Aludibond, 34 x 20 cm
Anwesen V, Lambda Pro auf Aludibond, 34 x 20 cm

(...) Wir werden beobachtet. So eine deutsche Straße, auf dem Land oder am Stadtrand. Kein Mensch unterwegs. Wo sind die Leute? Bewegt sich da eine Gardine? Das kommt nur in Romanen vor. Die Sache ist an sich schon unheimlich genug. Denn es regt sich nichts, auch wenn uns jemand von drinnen beobachtet: misstrauisch, gefesselt oder gelähmt, mitleidig oder nach Blut dürstend. Die Gardine hängt, Falten werfend wie eine Hochzeitsschleppe, wie ein Schleier, le voile. (...)
Die Synthetikspitze wirkt in dieser Arbeit wie ein Tschador, der die Frau vor begehrlichen Blicken schützen soll. Gleichzeitig entsteht durch die Verwendung des Gardinenstoffs eine irritierende Verbindung zum Klischee der „deutschen Gemütlichkeit“.

Anwesen I, HD-Film, 2:46 min (Loop)
Anwesen I, HD-Film, 2:46 min (Loop)
Anwesen II-V,  Druck auf Acrylglas, Rauminstallation
Anwesen II-V, Druck auf Acrylglas, Rauminstallation

schleierhaft

HD  Film, 2012, 3:36 min.
HD Film, 2012, 3:36 min.
schleierhaft, 2012, Performance
schleierhaft, 2012, Performance

"Die Fenster sind offen und dein Erscheinen wird von ihren Gardinen beäugt." Abdul Kader El-Janaby

Fremde, 2012, Raumobjekt, 3 x 1 x 1m, Gardine, Stoffe
Fremde, 2012, Raumobjekt, 3 x 1 x 1m, Gardine, Stoffe
Neugier, 2012, Wandobjekt ca 50 x 70 x 20 cm, Gardine, Stoffe, Polyurethan
Neugier, 2012, Wandobjekt ca 50 x 70 x 20 cm, Gardine, Stoffe, Polyurethan
Nachbarn, 2012, Installation, Gardine, Stoff,  3 x  2 x 1  m
Nachbarn, 2012, Installation, Gardine, Stoff, 3 x 2 x 1 m

Hochparterre, 2012, Wandobjekt, 50 x 30 x 15 cm, Gardine, Stoffe, Polyurehtan
Hochparterre, 2012, Wandobjekt, 50 x 30 x 15 cm, Gardine, Stoffe, Polyurehtan
RGB2OG, 2012, Bodenobjekt ca 100 x 70 x 40 cm, Gardine, Stoffe, Draht
RGB2OG, 2012, Bodenobjekt ca 100 x 70 x 40 cm, Gardine, Stoffe, Draht

Wildlife Wohnzimmer

"Guckkasten"-Objekt, 2011,MDF, Keramik, Glas, insgesamt 60 x 60 x 80 cm


Die Gardine ist der Orchidee ihr Tod

Installation 2tlg., 160 x 40 x 75 cm, 2010/11

Mit dieser Installation setze ich mich mit einem Phänomen auseinander, welches sich auf deutschen Fensterbrettern breit macht: Früher waren sie das Symbol der Schöngeister, heute stehen Orchideen als billige Mitnahmeartikel in den Regalen von Bau- und Supermärkten – längst hat sie das Usambara-Veilchen von seinem Fensterplatz verdrängt.
Eingerahmt von Gardinen, umgeben von Nippes, mit Staub auf ihren fleischigen Blättern ähnelt sie damit einer alternden Schlagersängerin, deren Lippenstift gerade unschön verläuft. Daher habe ich die Orchidee zum Gedenken aufgebahrt, erstarrt in Biederkeit, darüber ihr Portrait in Silber gerahmt, bleich wie ein Totenhemd.


Winnenden (Serie Schläfer)

In den seit 2008 entstandenen Arbeiten der Serie Schläfer verwende ich verschiedene deutsche Ortsnamen als Titel. Sie nehmen Bezug auf tragische und dramatische Ereignisse, die sich dort zugetragen haben. Der von mir gewählte Titel der Serie Schläfer erinnert einerseits an Terroristen, die unauffällig integriert leben, während sie auf ihren Einsatz als Attentäter warten. Andererseits entpuppt er sich auch als Hinweis auf "unauffällige" deutsche Bürger, die unter bestimmten Umständen zu Verbrechern werden können.
Die schwäbische Stadt Winnenden erlangte traurige Berühmtheit, als im März 2009 ein 17-jähriger Schüler im Amoklauf SchülerInnen und Lehrer seiner Schule, Passanten und schlußendlich sich selbst erschoss. Leicht und zart wölbt sich der geformte Gardinenstoff aus der Wand wie Meister Horax‘ „Stundenblumen“ aus Michael Endes Buch Momo und erinnert an die 15 Pistolenschüsse, mit denen Tim K. seinem unbeachteten Leben Aufmerksam geben wollte.



Fotoarbeiten, 2007 - 2014