Vernetzte Voyeure

 

Zu Gast beim Ebersberger Kunstverein

 


… Ein Thema bespielt in vielen Varianten: Patricia Lincke hat einen außergewöhnlichen Guckkasten kreiert. Schaut man durch das Guckloch des unauffälligen Kastens „Wildlife Wohnzimmer“, sieht man eine Ansammlung unsäglicher Kitschfiguren aus dem Gartencenter. Raupe, Bärchen, Häschen, Froschkönig – in diesem Spiegelkabinett kaleidoskopisch ironisch vervielfacht, schaut man sich selbst in die verwunderten Augen ob der domestizierten Natur…

 

Rita Baedeker, Süddeutsche Zeitung, 28. Mai 2015

 

Inwendig

 

Wort und Bild – eine Symbiose. Künstlerinnen der GEDOK München zeigen im Ismaninger Schlosspavillon eine subtile Werkschau.

 

Ist es wirklich so, dass Frauen andere Kunst machen? Ist es erkennbar, ob einem Werk weibliche oder männliche Ästhetik zugrunde liegt? … Etwas typisch Weibliches also, nämlich dem Fühlen Ausdruck zu verleihen, es „auszusprechen“, ist demnach innerer Antrieb der künstlerischen Auseinandersetzung von Frauen. Worte in Kunst zu verwandeln und umgekehrt – die Jahresausstellung der GEDOK, spürt diesem Phänomen nach. Auf sehr subtile und poetische Weise, mit der künstlerischen Auseinandersetzung von Gedichten. „A poem is like a pearl“, der Titel der Ausstellung, macht die von den Künstlerinnen angestrebte Symbiose von Wort und Bild sofort transparent.

So setzt Patricia Lincke in ihrer Videoinstallation das Gedicht der Lyrikerin Cleona O’Connell „Damselfly“ um. Die Libelle wird personifiziert. Die Hände einer Frau im Kapuzenmantel streichen Mauern und Gebüsch. Ihr Gesicht bleibt dem Betrachter verborgen. Sie läuft. Verlässt Gewohntes, sicheres Terrain, geht, wenn man so will, aus sich heraus. Ein weißer Vorhang, Symbol für „the tissue wings“ im Gedicht, streift plötzlich ihr Gesicht – und die Frau wird eine andere Die Installation berührt, weil sie den Betrachter mitnimmt in jene magische Zwischenwelt von Realität und Vision, von lyrischem Ich und einem selbst.

 

Nicole Graner, Süddeutsche Zeitung, 2./3. Oktober 2014

"Schöner" Schein
Artikel im Magazin Junge_Kunst, Ausgabe 76, 2008